21.01.2017

    Grundsteinlegung in Dänemark

    Der 19. Januar 2017 wird mit Sicherheit in die Chronik der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Dänemark eingehen. An diesem Tag wurde der Grundstein für ihr neues Kloster gesegnet und eingesetzt. Bischof Czeslaw Kozon und Generalvikar Niels Engelbrecht standen der Zeremonie vor. Den Grundstein hatten die Schwestern von ihrem jetzigen Wohnort, dem Kloster Nordvanggaard mitgenommen, wo sie seit 1959 wohnen.
    Damals hatten ihre Mitschwestern einen alten Gutshof gekauft und dort ein Kloster, ein Altenheim und ein Kirchenzentrum für die katholische Gemeinde eingerichtet. Als die Kommune beschloss, ein neues Altenheim zu bauen und damit die Haupteinnahmequelle für die Ordensgemeinschaft wegfiel, die Schwestern zudem älter und weniger wurden und Instandhaltung des großen Hauses und des 9000 qm großen Grundstücks für die restlichen drei Schwestern nicht mehr zu managen war, beschloss man sich schweren Herzens, den Nordvanggaard zu verkaufen.
    Zwei Jahre hat es gedauert, bis ein Käufer gefunden war. Und ausgerechnet die vielen Flüchtlinge, die auch nach Dänemark kamen, halfen dabei. Denn eigentlich hatte die Kommune bereits zweimal die Anfrage nach einem Kauf des Hauses abgelehnt. Doch jetzt wurden Unterkünfte gesucht – und der Nordvanggaard war wie geschaffen für die Unterbringung. Inzwischen wohnen dort 60 Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern, Syrien, Iran, Somalia, Burundi, Irak und Eritrea. Und mittendrin die drei Ordensschwestern.
    Eigentlich könnten sie sich auch vorstellen, hier wohnen zu bleiben, doch die Kommune braucht dringend den Platz. Die Suche nach einem neuen Haus gestaltete sich zudem schwierig, denn die Wohnweise der Dänen mit großen Ess- und Aufenthaltsräumen und verwinkelten Schlafzimmern ohne direkten Zugang hätte jeweils zu einem kostspieligen Umbau geführt. So entschlossen sich die Schwestern, selbst zu bauen. Ein spannendes und auch gewagtes Unternehmen in einer Zeit, in der die Ordensberufe in Europa zurückgehen. Und doch: „Es ist so wichtig, dass wir Schwestern hier in Dänemark sind. Das wird uns immer wieder gesagt. Gerade in der Diaspora im Norden – in Dänemark gibt es nur 0,8% Katholiken - werden geistliche Zentren gebraucht“, sagt Sr. Anna Mirijam.
    Die ersten Erfahrungen waren dann auch aufregend. „Ich kann mich noch gut erinnern, als wir alle drei bei der Baufirma auftauchten – im Ordenskleid – und am Empfang standen und sagten: Wir möchten gerne ein Kloster bauchen. – Architekten und Ingenieure schauten etwas verwundert, vielleicht sogar etwas zweifelnd. Die ersten Fragen der Nachbarn waren: Baut ihr dann auch einen Glockenturm und läutet frühmorgens?“ – und die Handwerker fragten ganz irritiert, ob wir ihnen mal erklären könnten, was eine Sakristei eigentlich sei. Sie hatten sich darunter einen künstlichen Wasserfall vorgestellt…. Einen Glockenturm wird es im neuen Klosterbau nicht geben, aber das Gebet wird weiterhin einen wichtigen Raum einnehmen. „Ein Kloster ist ein Ort, an dem gebetet wird, ein Ort, an dem die Sorgen und Nöte der Menschen, ihre Freude, ihre Tränen und ihre Zweifel von uns zu Gott getragen werden. Ein Kloster ist auch ein Ort, an dem Menschen Gott suchen und ihm begegnen können.“ Deshalb wird es dort in Zukunft ein Gesprächszimmer, eine für alle offene Kapelle und zwei Gästezimmer geben. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von Leuten, die für ein Wochenende oder ein paar Tage in die Stille gehen wollen, an unserem Gebet teilnehmen wollen, den Klosterrhythmus miterleben möchten.“ Da das neue Kloster zwischen zwei katholischen Gemeinden liegt, die ca. 30 km auseinanderliegen, soll hier auch ein kleines geistliches Zentrum entstehen. Angebote wie Bibelgruppen, eucharistische Anbetung, Rosenkranzgebet u.ä. sind angedacht.
    Auch der Bischof war sichtlich erfreut, eine Grundsteinlegung für ein neues Kloster vornehmen zu können. „Gerade in einer Zeit, in der Klöster oft geschlossen oder aufgelöst werden, ist es eine grosse Freude, den Grundstein für ein neues Kloster legen zu können. Ein Kloster besteht aus lebendigen Steinen und die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut sind seit vielen Jahren durch ihre Tätigkeiten in der Pastoral und Administration eng mit unserem Bistum verbunden. Möge Gott diese Gemeinschaft, dieses Haus und alle Menschen, die hier ein uns ausgehen werden, segnen.“

    Text und Fotos: Sr. Anna Mirijam Kaschner cps