24.09.2018

    Ein Kloster - ein Dorf

    Menschen aus fünfunddreißig Nationen trotzen dem Regen

    „Es regnet, wenn es regnen will … – und wenn's genug geregnet hat,  so hört es wieder auf“, heißt es in einem Kinderlied.
    Das hätten wir im Missionshaus Neuenbeken uns gewünscht, aber es kam anders:
    Wochenlang Sonnenschein pur – und ausgerechnet kurz vor unserem Missionsfest  „will es regen“ – und hört nicht wieder auf. Leider!
    Aber wir wären keine echten  „CPS“ – also   „Colossal  Patente  Schwestern“, würden wir mit dieser Situation nicht fertig.
    Der ‚Plan A‘, von einer Gruppe aus Kloster und Dorf wochenlang gut vorbereitet, fiel buchstäblich „ins Wasser“. Also musste ‚Plan B‘ neu überdacht werden – und gemeinsam fanden sich Lösungen, wenn auch mit Kompromissen.

    Unser diesjähriges Missionsfest am 23. September 2018 gestaltete sich als „Fest der Kulturen“. Viele Menschen sind in den letzten Jahren in unserem Dorf zugezogen. Inzwischen gehören Menschen aus 35 Nationen zu unserer Nachbarschaft. Darum ging es bei unserem Fest vorrangig um Begegnung, denn, so die Hausoberin Sr. Angela- Maria Segbert am Beginn des Gottesdienstes, „im Austausch über Gemeinsames und Unterscheidendes kann Vertrauen wachsen – und Vertrauen ist das Fundament für (und die Mutter von) Frieden und Gemeinschaft.“

    Der gemeinsame Tag begann mit einem Gottesdienst um 10.30 h in unserer Klosterkirche.
    Die Gottesdienstbesucher staunten nicht schlecht, als vor dem Evangelium afrikanische Klänge zu hören waren, und zu diesen Klängen trug Sr. Kitonyi Jacinta, gekleidet in die Frauentracht ihrer Heimat Kenia, tanzend das Evangeliar durch den Mittelgang, um es vor dem Altar dem Zelebranten P. Klaus Scheppe, Guardian des Paderborner Franziskanerklosters, zu übergeben.

    Zu den afrikanischen Klängen gesellten sich im Gottesdienst auch noch die Stimmen der Chorgemeinschaft Neuenbeken, die gewaltigen Töne der Schützenkapelle, die die Kirche „erzittern“ ließen, und nicht zuletzt ein lebendiger Gemeindegesang einer vollen Klosterkirche.

    Am Ende des festlichen Gottesdienstes erhielten die Gäste einen „Reisepass“, mit der Einladung, sich nun den Weg der Begegnungsmöglichkeiten unter folgenden Themen zu erschließen:
    „Sprich mit mir“
    Ziel: das eigene Herkunftsland auf einer großen Weltkarte zu markieren und mit anderen über das Besondere der eigenen Heimat ins Gespräch zu kommen.
    „Spiel mit mir“
    Ziel: über Spiele für Groß und Klein, Alt und Jung, Einheimisch und Zugezogen Begegnung zu ermöglichen
    „Sing mit mir“
    Ziel: die Freude an der Musik miteinander zu teilen
    „Iss mit mir“  
    Ziel: die Möglichkeit zu nutzen, neben dem Angebot der traditionellen Bratwurst auch kleine internationale Häppchen zu probieren und dabei miteinander ins Gespräch zu kommen.
    Für das leibliche Wohl war abwechslungsreich und schmackhaft gesorgt.

    Wie immer waren auch eine Klosterführung im Angebot, sowie eine Begehung des Missions-Museums. Weiterhin lockten ein Bücherbasar zum Stöbern, kleine Verkaufsstände mit selbstgefertigten afrikanischen und heimischen Handarbeiten und ein ‚Flohmarkt‘ die Besucher an.
    Gruppen und Vereine des Dorfes und des Pastoralen Raumes stellten sich vor. Dazu kam ein buntes kulturelles Programm mit unterschiedlichen Beiträgen.

    Im Laufe des Nachmittags wurde unserem Kloster eine besondere Ehrung zuteil:
    die Verleihung der Verdienstnadel der Arbeitsgemeinschaft der Vereine Neuenbeken durch den Vorsitzenden Herrn Greifenhagen.
    In ihrem Dankeswort brachte es Sr. Angela-Maria  auf den Punkt und griff dabei einen Gedanken von Sr. Gerharda Maubach aus dem Jahr 2003 auf: „Wir fühlen uns geehrt, dass Sie mit der Nadel ausdrücken, dass das Dorf Freude daran hat, so ein Kloster bei sich zu haben. Aber seien Sie versichert, dass auch wir Schwestern sehr froh sind, dass dieses Kloster so ein Dorf hat!“

    Ein regen- aber auch segensreiches Begegnungsfest fand offiziell seinen Abschluss mit einem „Interkulturellen Friedensgebet“.

    Froh darüber, dass es an diesem Tag „nur geregnet“ hat und wir von größeren Unwettern verschont blieben, verabschiedeten wir unsere Gäste.
    Dankbar sind wir der gesamten Dorfgemeinschaft für die tatkräftige Unterstützung auf verschiedenste Art und Weise, damit dieses Fest gelingen konnte.

    Ein kleines Fotoalbum findet sich hier auf Facebook

    Text: Sr. Martino Machowiak, cps